Kolumbien - Land im Zwiespalt und der Gegensätze
 Kolumbien -Land im Zwiespalt und der Gegensätze  

Erfahrene Computerfachleute arbeiten in ihrer Freizeit, um Hilfsprojekte in Kolumbien zu finanzieren

Streitkräfte Kolumbiens

Die Streitkräfte Kolumbiens (Fuerzas Militares de Colombia) bestehen aus den Teilstreitkräften. Heer (Ejército Nacional de Colombia), Kriegsmarine (Armada Nacional de Colombia) und den Luftstreitkräften (Fuerza Aérea Colombiana). Die Kriegsmarine wird noch unterteilt in die Marineinfanterie (Infanteria de Marina) und Küstenwache (Guardacostas). Formal unterstehen auch die Policia Nacional de Columbia, die Nationalpolizei Kolumbiens, und diverse paramilitärische Kräfte dem Verteidigungsministerium.

Oberbefehlshaber ist der kolumbianische Präsident. Es besteht eine allgemeine Wehrpflicht, mit einem Einziehungsalter von 18 Jahren. Die Dauer beträgt 18 Monate bei Heer und Luftwaffe, 24 Monate bei der Marine und 12 Monate bei der Nationalpolizei. Frauen können sich freiwillig für den Dienst an der Waffe entscheiden. In der Praxis wird die Wehrpflicht jedoch häufig unterlaufen (es gibt gesetzliche Ausnahmen: „Bachilleres“, Studenten, Einzelkinder usw.), weswegen sich die Streitkräfte fast ausschließlich aus den unteren Schichten rekrutieren.

Künstler Ansichtskarte / Postkarte Batalla de Ayacucho, Cuadro de Tovar y Tovar, Schlacht bei Ayacucho 1824 Künstler Ansichtskarte / Postkarte Batalla de Ayacucho, Cuadro de Tovar y Tovar, Schlacht bei Ayacucho 1824

Gegründet wurden die Streitkräfte der Republik Großkolumbien am 7. September 1821 durch Simon Bolivar. Großkolumbien umfasste die Territorien der bis dahin befreiten Provinzen Venezuela, Ecuador und Neu-Granada. In den folgenden Jahren bis zum 09. Dezember 1824 wo die Spanier endgültig in der Schlacht bei Ayacucho geschlagen wurde die ersten Lorbeeren erwerben.

 

1903 wurden die Streitkräfte Kolumbiens unter Rafael Reyes reorganisiert. 1919 wurde die kolumbianische Luftwaffe gegründet. 1932–1934 kam es auf Grund von Grenzkonflikten zum Kolumbianisch-Peruanische Krieg, der mit einem Sieg der Kolumbianischen Streitkräfte endete.

Porträ Jorge Eliécer Gaitán Jorge Eliécer Gaitán

 

 

1948–52 kam es zum Bürgerkrieg zwischen Konservativen und Liberalen, ausgelöst durch die Ermordung des liberalen Präsidentschaftskandidaten Jorge Eliécer Gaitán. Das Militär unter Gustavo Rojas Pinilla kam durch einen Militärputsch vom 13. Juni 1953 an die Macht. Er setzte sich selber als Präsident Kolumbiens ein und wurde durch einen "Generalstreik" am 10. Mai 1957 gestürzt.

Eine Spezialeinheit der kolumbianischen Streitkräfte am Strand von Mayport, Florida (USA) nach einem gemeinsamen Manöver mit Einheiten des US Marine Corps Quelle: CWO Keith A. Stevenson Lizenz: Public Domain

Die Streitkräfte sind seit 1964 in einen bewaffneten Konflikt mit unterschiedlichen Guerillagruppen verwickelt. Während der Amtszeit von Präsident Uribe (2002) haben sich die Zahl der Soldaten um mehr als die Hälfte erhöht. Der Verteidigungshaushalt 2018 beträgt Elf-Milliarden Doller. 2017 waren es noch 9,9 Milliarden. Die Vize-Ministerin für Verteidigung, Diana Quintero, erklärte nach dem Friedensschluss mit der Farc-Guerilla, Kolumbien wolle "in jeder Region der Erde eine wichtige Rolle" spielen und benötige dafür seine Streitkräfte. Kritiker befürchten, dass das Land im Rahmen der US-Geopolitik militärische Aufgaben übernehmen und auch als Brückenkopf der USA in Lateinamerika dienen könnte, zum Beispiel bei einem Krieg gegen Venezuela.

Am 30. Oktober 2009 unterzeichneten der kolumbianische Außenminister Jaime Bermúdez und der US-Botschafter William Brownfield ein neues Abkommen, das den USA über einen (verlängerbaren) Zeitraum von zehn Jahren die Nutzung von sieben Militärbasen auf kolumbianischem Territorium erlaubt. Die Stützpunkte befinden sich in Palanquero, Malambo, Apiay, Cartagena, Málaga, Larandia und Tolemaída. Noch vor der Unterzeichnung stieß das neue Abkommen beim Gipfel der Union Südamerikanischer Staaten (Unasur) auf ein überwiegend negatives Echo, vor allem seitens Venezuelas. Die Spannungen mit Venezuela führten in den Folgejahren zu weiteren Aufrüstungsbemühungen Kolumbiens.

Radpanzer EE-009 Cascavel del Ejercito colombiano Autor: Taggen

Die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos strebt seit 2013 einen Assoziierungsvertrag mit der Nato an, mehrere Kooperationsvereinbarungen wurden bereits geschlossen. Die Organisationsstrukturen und die Ausbildung der Armee werden seit 2016 an Nato-Standards angepasst. Dazu gehört auch die Modernisierung der Ausrüstung. Besonders seit 2015 nahmen die Waffenkäufe für konventionelle Kriegsführung zu ‒ darunter Jagdflugzeuge mit Raketen für den Luftkampf (aus Schweden), Boden-Luft-Raketensysteme (aus Brasilien), Raketen vom Typ Cruise Missiles, Drohnen und gepanzerte Kettenfahrzeuge (aus Israel), Hubschrauber (aus Russland), Boeing-Großraumflugzeuge für Truppen und militärisches Gerät (aus USA), U-Boote (aus Deutschland) sowie Raketenwerfer, Radargeräte, Kommunikationssysteme.

Die „Fuerzas Militares de Colombia“ sind für den Kampf gegen links- und rechtsextremistische Gruppen ausgelegt und verfügen daher trotz hoher Militärausgaben über vergleichsweise wenig schwere Waffen. Wegen ihrer Effizienz bei der Bekämpfung und Demobilisierung von Terrorgruppen besitzen sie weltweit einen guten Ruf und haben aufgrund verschiedener Kooperationsabkommen in den letzten Jahren tausende Soldaten und Polizisten aus dem Ausland trainiert und ausgebildet.

Einsatz mit Schlauchboot entnommen aus MIL ANUNCIOS.com

Länder mit ähnlichen Herausforderungen fragen die Regierung in Bogotá regelmäßig an, durch Ausbildungsprogramme für ihre zivilen und militärischen Kräfte vom Know-how und den Erfahrungen der kolumbianischen Streitkräfte zu profitieren. Zwischen 2010 und 2014 trainierten die Streitkräfte Kolumbiens fast 20.000 Soldaten und Polizisten aus 63 Ländern, darunter El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Spanien, Italien und Afghanistan.

 

Zusätzlich trainiert das „Comando Jungla“ der kolumbianischen Nationalpolizei jedes Jahr Dutzende von neuen Soldaten aus der ganzen Welt für ihren Kampf gegen Drogen-Banden. Das „Comando Jungla“ gilt als eines der härtesten Trainingslager der Welt: Seit dem Jahr 1989 wurden etwa 1.600 Polizisten aus Peru, Bolivien, Chile, Argentinien, Uruguay, Honduras, Costa Rica, Panama, Brasilien, Argentinien, Mexiko Afghanistan und der Dominikanischen Republik ausgebildet.

Wappen der Nationalpolizei von Kolumbien Wappen der Nationalpolizei von Kolumbien

Die Policía Nacional de Colombia (PNC) ist die nationale Polizei des Landes. Sie wurde am 5 November 1891 ins Leben gerufen. Obwohl sie nicht Teil der Streitkräfte Kolumbiens ist untersteht sie formal seit 1953 dem Verteidigungsministerium, gilt aber als öffentliches Organ des Landes. Die ca. 182.623 Mann (2017, incl. Hilfspolizisten) starke Truppe ist die größte Polizeiorganisation des Landes und operiert national.

 

Die Policía Nacional de Colombia wurde 1891 mit Unterstützung des französischen Polizeioffiziers Marcelino Gilibert, damals in Diensten der Gendarmerie nationale und des französischen Innenministeriums als Instruktor in Bogotá gegründet.

 

Seit den 1980er Jahren ist die eingegliederte Dirección de Antinarcóticos (DIRAN) mit Sitz am Flughafen Bogotá Teil der Policia Nacional und mit dem Krieg gegen Drogen ein Schwerpunkt in der Polizeiarbeit Kolumbiens. Die nationale Antidrogeneinheit der kolumbianischen Polizei trägt mit dazu bei die Regierung in ihrer Politik der Bekämpfung des Drogenhandels und anderer Straftaten landesweit zu unterstützen.

Grupos de Acción Unificada por la Libertad Personal (GAULA) Die Vereinigte Aktionsgruppen für die Personenbefreiung sind kolumbianische Eliteeinheiten zur Befreiung von Kidnapping-Opfern. Sie wurden aufgrund des „Ley 282 de 1996“ (Gesetz 282 des Jahres 1996) in Zusammenarbeit mit den USA gegründet und werden von der Dirección Nacional de Gaula Militares beaufsichtigt. Die Befreiung der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt war der spektakulärste Fall der von Gaula-Gruppen durchgeführt wurde.

 

Mit einem Anfangsbudget von 25 Millionen US Dollar starteten zehn ausländische Instruktoren das Programm in Kolumbien. Für das Training wurde am 11. Juni 2004 ein erstes Centro de Entrenamiento Táctico Antisecuestro eingerichtet, das sich in einem nördlichen Außenbezirk von Bogota befindet. Mittlerweile gibt es in allen Landesteilen ähnliche Einrichtungen. Das Trainingszentrum in Bogotá ist die weltweit drittgrößte ihrer Art um Kidnapping-Situationen zu simulieren.

Die Gaula sind folgendermaßen organisiert: Geführt werden die Spezialeinheiten durch einen Staatsanwalt und einen Kommandanten des Militärs oder der Polizei. Es gibt eine Geheimdienst- und Analyseeinheit. Daneben gibt es eine Operative Einheit, welche für die Planung und Durchführung der Einsätze verantwortlich ist. In dieser Einheit sind Mitglieder der Streitkräfte, der Policia National und des Departamento Administrativo de Seguridad zusammengefasst. Als viertes existiert eine Ermittlungseinheit, welche von einem Staatsanwalt geleitet wird.

 

Es gibt insgesamt 21 Staffeln der Gaula, die von 86 Offizieren befehligt werden. Seine Mitglieder erhalten höchstes Niveau an Ausbildung, damit Entführungen verhindert, Beschaffung von Geheimdienstinformationen durchgeführt und Opfer in Sicherheit zu bringen. Gaula-Beamte sind mit der neuesten Spitzentechnologie ausgestattet und für den städtischen sowie ländlichen Kampf ausgebildet. Sie werden auch für der Erfassung von Geheimdienstinformationen trainiert, führen Razzien aus, um Opfer vor Entführungen mithilfe eines Krisenmanagements zu bewahren. Seit Beginn des Programms 2004 kamen insgesamt 28 Gaula-Kämpfer bei diversen Befreiungsaktionen ums Leben.1

Den Sicherheitskräften wird vorgeworfen, zwischen 1981 und 2018 mehr als 2.399 Menschen ermordet zu haben. Die meisten bekannten illegalen Hinrichtungen fanden zwischen 2006 und 2008 statt, als der ehemalige  Präsident Juan Manuel Santos Verteidigungsminister war. Darunter befanden sich die sogenannten „Falsch Positiven“ (falsos positivos), Zivilisten, die ermordet und in Uniformen der FARC gesteckt wurden, um ein von der Regierung ausgelobtes Kopfgeld für jeden getöteten FARC-Kämpfer zu erhalten. Nachdem die Zahl der illegalen Hinrichtungen durch Militärangehörige im Jahr 2009 stark abgenommen hatte, gab es im Jahr 2010 nach Angaben der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation CINEP wieder 58 Prozent mehr Fälle und 70 Prozent mehr Opfer als im Jahr 2009. Damals waren es sieben Fälle mit 16 Opfern, während 2010 zwölf Fälle mit 23 Opfern registriert wurden. Im Unterschied zu früher würden die Opfer nun nicht mehr als Guerilla-Kämpfer präsentiert, sondern als Verbrecher. Zwischen 2001 und 2010 habe es insgesamt 887 außergerichtliche Hinrichtungen, außerdem Fälle von Folter, Vertreibung und anderen Straftaten durch offizielle Einheiten von Polizei oder Militär gegeben. Ermittlungen fanden zu 3.600 Fällen statt. Seitens der Militärjustiz werden entsprechende Untersuchungen häufig behindert, indem man sich weigert, entsprechende Fälle an normale Zivilgerichte abzugeben. Dazu kommt das das Militär aktiv mit einbezogen wurde (wird) im Interesse großer Konzerne angehörige Intigener Völker und Bauern von ihrem Land zu vertreiben.

1Unidades del grupo de élite de Colombia, GAULA, desmantelan pandillas de secuestradores dialogo-americas.com, abgerufen am 03. August 2018(spanisch)

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zuletzt Aktalisiert: 15. August 2018

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