Kolumbien - Land im Zwiespalt und der Gegensätze
 Kolumbien -Land im Zwiespalt und der Gegensätze  

Erfahrene Computerfachleute arbeiten in ihrer Freizeit, um Hilfsprojekte in Kolumbien zu finanzieren

Armut in Kolumbien

Wohnhaus auf San Andres

Die Einkommens- und Vermögensverteilung in Kolumbien ist bislang eine der ungleichsten auf der ganzen Welt. Die Armut ist zwar gesunken, heute gelten 26 Prozent der Menschen als arm, im Jahr 2010 waren es noch 38 Prozent. Wobei meines Erachtens hier eine wenig Vorsicht geboten ist. Dieses statistische Ergebnis, beruht auf eine neue Messmethode. Diese Indikatoren sind mit den vorherigen schwer zu vergleichen. Die neue Armutsgrenze wurde auf Grundlage von neueren Angaben zu den Lebensmitteln, die den Einkaufskorb der Kolumbianer ausmachen, neu berechnet. Außerdem wurden die Einkünfte der Haushalte die staatlichen Zuschüsse, wie Familias en Acción erhalten, miteinbezogen. „Jedes Land hat die Armen, die es haben will”, meint ein Fachmann mit etwas Humor zu dem Thema. Er will damit sagen, dass die Armutsmessungen Ergebnis der relativ willkürlichen Kriterien der Regierungen sind. Wenn man die Methode zur Armutsberechnung verändert – wie es Kolumbien getan hat – und die Zahl der Personen unter der Armutsgrenze sinkt, ist doch ein wenig skeptisch angebracht. Egal, angesichts des Wirtschaftswachstums ist es kein großer Sprung. Der neue Wohlstand erreicht nur relativ wenige Menschen.

Konkret: Als arm gilt in Kolumbien, wer nicht genug Geld hat, um den sogenannten statistischen "Basiskorb" zu bezahlen. Der ist als Existenzminimum definiert und soll genug Geld enthalten für Nahrung und Hygieneartikel, Miete und Kleidung, Bildung und Personentransport. Zur monatlichen Berechnung werden die Preise von rund 400 Produkten und Dienstleistungen einbezogen. Für eine vierköpfige Familie veranschlagt das Statistikamt (DANE) derzeit 847.228 kolumbianische Pesos - rund 253 Euro.  Bei einem Einkommen von weniger als 369.248 Pesos (110 Euro) wird dieser als extrem Arm bezeichnet.

Ein Beispiel aus Buenaventura das für 1000de steht. Eine Mutter, alleinstehend. Arbeitet 6 Tage in der Woche 10 Stunden. Verdient 450000 Pesos. Davon muss sie Miete, Strom, Wasser, Nahrung und Medikamente zahlen. Das ist zu viel um zu sterben und zu wenig zum Leben.

Viele Familien sind auf Grund ihres Bildungsgrades und den extremen sozialen Umständen komplett mit der Bewältigung ihrer Grundbedürfnisse beschäftigt, wozu auch die Kinder ihren Beitrag leisten müssen. Als Folge können die Kinder die reguläre Schule nicht besuchen, müssen Hausarbeiten erledigen und/oder werden als geringstbezahlte Helfer (meistens) in der Landwirtschaft eingesetzt. Es setzt sich ein Teufelskreis in Gang. Kinder können nicht zur Schule gehen um den Eltern zu helfen. Mangelnde bis keine Schulbildung führt dazu später keine hochwertige Tätigkeit ausführen zu können. Sie bleiben Arm. Mangelernährung und schwere körperliche Arbeit tragen ihren Teil dazu bei, dass die Kinder nur wenig Chancen haben, allein aus diesem Teufelskreis auszubrechen.

Ausgleich versuchen kolumbianische Regierungen seit 2003 mit Sozialtransfers zu schaffen. Familien, deren Einkommen unter dem Existenzminimum liegt, erhalten unter bestimmten Bedingungen Transferzahlungen: Bis zu 561.000 Pesos, knapp 230 Euro, erhalten sie pro Schuljahr, wenn ein Kind regelmäßig am Unterricht teilnimmt. Weitere 350 Euro kommen pro Jahr dazu, wenn die Eltern ihr Kind planmäßig in einem staatlichen Gesundheitszentrum untersuchen lassen.

Fakt ist, das lässt sich nicht beschreiten, die Anzahl der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen ist der Regierung von Staatspräsident Juan Manuel Santos gesunken wie er es in seiner Wahl versprochen hat. Vor Santos' erster Präsidentschaft 2010 galten noch 40 Prozent seiner Landsleute als arm. Heute sind es nur noch 26 Prozent. 4,8 Millionen Menschen seien demnach zwischen 2009 und 2014 der Armut entkommen. Dafür gibt es zwei Gründe. Einmal das enorme Wachstum von rund 5% jährlich und zum zweiten die wachsende Rolle des Außenhandels.

Wohnhaus auf San Andre

Allerdings haben in Kolumbien nicht alle gleichermaßen von den wirtschaftlichen Fortschritten profitiert: Mangelnde Sicherheit behindert den sozialen Aufstieg der Bewohner von Armenvierteln. Aber auch die Handelsverträge, die Kolumbien in den letzten Jahren mit zahlreichen Ländern geschlossen hat, kommen längst nicht allen zugute. Die meisten Nachteile entstehen dort, wo der Wohlstand ohnehin am ungleichmäßigsten verteilt ist: auf dem Land. Dort lebt fast ein Drittel der Kolumbianer. Insbesondere Kleinbauern stellt der sogenannte Freihandel vor große Probleme. Der hat ihnen nämlich nicht nur die Chancen und Risiken der internationalen Märkte beschert, wie der Name verheißt. Mit ihm sind zahlreiche Auflagen in Kraft getreten, die den Bauern ihre gewohnte Arbeitsweise faktisch verbieten. Halten sie etwa einen Teil der Ernte als Saat zurück, müssen sie Strafen zahlen. Das Saatgut müssen sie kaufen.

 

Entscheidend ist, dass die Armut viel zu hoch angesichts der Entwicklung und des Wirtschaftswachstums ist, das Kolumbien in den letzten Jahren erlebt hat. Eine andere Methode die Armut zu messen ist die des Koeffizienten Gini. Damit wird gewöhnlich die Reichtumsverteilung gemessen. Die Null ist die völlige Gleichheit und Eins die absolute Ungleichheit. Dieses Land hat einen Koeffizienten von 0,56 und zählt damit zu den ungleichsten Nationen auf dem Kontinent und der Welt. Noch bedenklicher ist, dass dieser Indikator sich weigert zu sinken, und nicht einmal eine Tendenz in diese Richtung aufweist.

Warum schließt sich weder die Kluft zwischen Arm und Reich, noch sinkt die Armut mit der Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums? Die Experten stimmen darin überein, dass die Gründe verschieden und tiefgründig sind: die Konzentration von Land verursacht durch den bewaffneten Konflikt, das Geld in wenigen Händen und schwierige Kreditbeschaffung, Politik, welche sowohl die Informalität als auch die massenhafte Verbreitung von Subventionen fördert, ein Bildungssystem, das die Ungleichheit aufrechterhält und ein Rentensystem, das eine Menge Geld an die wenigen privilegierten Rentner und wenig Geld an die vielen normalen Rentner verteilt, und ein Steuersystem, das es den Reichsten erlaubt, Steuern zu hinterziehen

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zuletzt Aktalisiert: 15. August 2018

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